Montag, 28. September 2015

Das Geburtstagsgeschenk


Geburtstage sind im Leben eines jeden Kindes im "Normalfall" ein absolutes Highlight. Die Vorfreude auf die Feier, die Geschenke, die Besucher gibt manchen Kindern schlaflose Nächte. Wenn es dann endlich soweit ist genießen sie es, den ganzen Tag im Mittelpunkt zu stehen. Eltern lieben es, diesen Tag mit viel Liebe vorzubereiten. So sollte es zumindest sein.
Wenn wir die Kinder im Slum fragen wann sie Geburtstag haben, bekommen wir meistens dieselbe Antwort: "Weiß ich nicht".
Der Alltag ihrer Familien ist von so vielen Problemen gekennzeichnet, dass Geburtstage schlicht und einfach untergehen. Manche
Familien haben so viele Kinder (von denen die wenigsten eine Geburtsurkunde haben), dass sich oft selbst die Mütter nicht wirklich erinnern können, wann genau ihre Kinder geboren wurden.
In unserem Kindergarten feiern wir die Geburtstage. Wir wollen den Kindern zeigen, dass wir uns über sie freuen und dass sie es wert sind, gefeiert zu werden. Wir backen einen Kuchen, sie bekommen ein Geschenk, es wird für sie gesungen und gebetet. Die meisten haben es noch nie erlebt, dass ihr Geburtstag gefeiert wurde. Da kommt es vor, dass die Kinder Tränen in den Augen haben, weil sie so gerührt sind.
Maricar (Name geändert) kommt regelmäßig nachmittags zu uns. Sie und ihre 5 Geschwister sind extrem vernachlässigt und Maricar genießt es, bei uns für ein paar Stunden ihre Probleme vergessen zu können, spielen zu dürfen und Menschen um sich zu haben, die ihre Liebe und Annahme entgegenbringen.
Vor einiger Zeit feierten wir ihren 9.Geburtstag und schenkten ihr ein schönes Sommerkleidchen. Wie hat sie sich gefreut!
Einige Tage nach ihrem Geburtstag unterhielt ich mich mit Maricar über alle möglichen Dinge. Auf einmal rutschte es ihr heraus:"Euer Geburtstagsgeschenk...das Kleid ist weg!" Etwas stutzig fragte ich sie, ob ihre Mutter es weiterverschenkt hätte. Maricar verneinte dies und blickte traurig zu Boden. Auf einmal dämmerte es mir..."Hat deine Mutter etwas das Kleid verkauft?!" Maricar nickte. Die Mutter hatte das Geburtstagsgeschenk für weniger als 1€ verkauft.
Ich war sprachlos und zugleich ärgerlich und traurig, wusste ich doch, wie viel ihr dieses Geschenk bedeutet hatte.
Solchen und noch viel schlimmeren Ungerechtigkeiten sind die Kinder, die zu uns in den Kindergarten kommen, immer wieder hilflos ausgesetzt.
Bitte betet mit uns für diese Kinder, dass sie in allen Schwierigkeiten und in der Härte ihres Alltags Gottes Fürsorge, Seine Treue und Liebe erkennen und erleben!

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